
Die Praxiserfahrung bestätigt: Technische Dokumentation und Wissensmanagement liegen nah beieinander.
Was sich auf Kalenderblättern immer so schön liest, haben wir 2020 gemeinsam mit Interautomation in die Tat umgesetzt und einen ersten Schritt in Richtung unternehmensweiten Wissensmanagements gemacht. Ursprünglich sollte lediglich das Handbuch für eine Datenmanagement-Software im Schienenverkehr aktualisiert werden. Als wir dafür das hauseigene Confluence-System zu einer Redaktionsumgebung umgestalteten, wurde deutlich, dass sich damit mehr erreichen lässt: eine Plattform, auf der interne Wissensträger*innen:
Expertenwissen für einen späteren Zeitpunkt konservieren oder für Dritte zugänglich machen
Ideen schriftlich festhalten und dadurch greifbar machen
Schwarmwissen im Unternehmen kollaborativ und möglichst mühelos erweitern
Eine einheitliche Struktur und ein durchdachtes Metadaten-Konzept helfen Mitarbeitenden und Kunden, benötigte Informationen schnell zu finden. Unser Vorgehen, die Vorteile und Grenzen einer Wissensplattform sind Thema unserer Case Study. Erfahren Sie, warum Technische Dokumentation der zündende Funke für Wissensmanagement sein kann.
Einrichtung eines eigenen Doku-Bereichs, Implementierung von Scroll-PDF und Scroll-HTML sowie Gestaltung einer Struktur, die Inhalte systematisch und auffindbar macht.
Vorlagen für typische Informationsarten erstellen, testen und nachschärfen, ergänzt um Regieanweisungen als Anleitung für kollaborative Contenterstellung.
Verschlagwortung, Suche, Startseite und FAQ optimieren sowie Prozesse zu Rollen, Freigaben, Terminologie, Qualitätssicherung und Visualisierung in einem Leitfaden dokumentieren.

Interautomation und kothes sind seit Sommer 2020 Weggefährten. kothes ist Full-Service-Dienstleister für Technische Dokumentation und smarte Informationslösungen, Interautomation entwickelt Lösungen für den Personennahverkehr. Was uns verbindet: Beide verlassen etablierte Wege, wenn dadurch bessere Kundenlösungen entstehen. So auch bei der Dokumentation von InLineWeb, einer Software für die Betriebssteuerung in Leitstellen. Ihre Funktionen reichen von Fahrgastinformation bis zur Datenverwaltung – entsprechend vielfältig sind die zu dokumentierenden Informationen.
Als Matthias Baumann, Entwicklungsleiter für InLineWeb, kothes im Sommer 2020 kontaktierte, standen zwei Wege offen: das PDF-Handbuch optimieren oder ein Redaktionssystem einführen. Letzteres erwies sich für die verfügbaren Ressourcen als nicht sinnvoll. Im Austausch wurde klar, dass Interautomation bereits Confluence für das Wissensmanagement nutzte. Gemeinsam entstand eine strukturierte Arbeitsumgebung, in der Informationen erstellt, aktualisiert und erweitert werden können – als PDF oder Online-Hilfe.
Gedrucktes Handbuch und Online-Hilfe sollten möglich sein, ohne jedes Mal von vorn zu beginnen.
Inhalte sollten bei Erweiterungen und Updates der Software schnell anpassbar bleiben.
Aufwand, Kosten und Einarbeitung mussten zu Interautomation passen.
Informationen sollten darin systematisch erstellt, gepflegt und später als PDF oder Online-Hilfe ausgegeben werden können.

Etappe 01 war anspruchsvoll: In einem Workshop bei Interautomation in Berlin analysierten kothes und Interautomation Zielgruppen, Anforderungen und Inhalte der Wissensplattform. Sie prüften Confluence-Funktionen, den Bedarf an Add-ons sowie Templates für eine einheitliche Redaktion. Für die digitale Publikation wurden fünf Szenarien nach Sicherheit, Aufwand, Kosten, Systemanbindung, Corporate Design und Offline-Verfügbarkeit bewertet. Die Entscheidung fiel auf Scroll-PDF und Scroll-HTML von k15t für PDFs und integrierte Online-Hilfen in InLineWeb.
Etappe 02 erforderte eine gute Grundkondition und flexible Routenplanung: Einzelne Streckenabschnitte erwiesen sich als anspruchsvoller als erwartet und machten alternative Wege erforderlich. Interautomation richtete in Confluence einen Dokumentationsbereich ein, implementierte Scroll-PDF und Scroll-HTML und ermöglichte kothes den direkten Zugang zur Wissensplattform. So konnten die Templates im späteren Zielsystem entwickelt und getestet werden. In mehreren Iterationsschleifen entstanden Vorlagen für Dialog- und Prozessbeschreibungen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Schnittstellen, Fehlerbehebungen und interne Dokumentationen. Musterinhalte und Regieanweisungen unterstützen die Verantwortlichen bei der späteren Arbeit. Parallel entwickelten kothes und Interautomation eine verständliche Navigationsstruktur, ein nutzerfreundliches Startseitendesign und Ideen für ein übersichtliches Glossar. Auch erste Prozesse für Arbeitssteuerung, Qualitätssicherung und redaktionelle Freigaben wurden angedacht.
Etappe 03 führte auf die Zielgerade. Nach dem Großteil der Strecke galt es, Tempo herauszunehmen und dem Feinschliff Aufmerksamkeit zu widmen. Im Mittelpunkt stand der Wunsch von Interautomation, den Zugang zur Wissensplattform niedrigschwellig zu gestalten und das Auffinden benötigter Informationen zu erleichtern. Dafür optimierten kothes und Interautomation Verschlagwortung und Suchfunktion und steigerten die Usability durch eine Use-Case-orientierte Startseite sowie FAQ-Seiten. Gleichzeitig professionalisierten sie die redaktionellen Prozesse: Wie lassen sich Versionen sicher verwalten? Welche Workflows braucht die Pflege der Templates? Wie werden Freigaben, Rollen und Rechte geregelt? Und wie lassen sich Terminologie, fachliche Korrektheit, sprachliche Qualität und eine konsistente Visualisierung sicherstellen? Die Antworten flossen in einen Redaktionsleitfaden ein, der ebenfalls in Confluence entstand. So wurden die Inhalte zugänglicher und die Grundlagen für eine verlässliche Dokumentation geschaffen.

Der eine oder die andere von Ihnen denkt womöglich: Und worin steckt jetzt das Wissensmanagement? Bislang ist das doch klassische Dokumentationserstellung, nur eben in einem Wissensmanagement-Tool? Ein Blick auf den Begriff hilft weiter: Wissensmanagement umfasst alle Maßnahmen, mit denen explizites und implizites Wissen gesammelt, strukturiert, bewahrt und auffindbar gemacht wird. Gutes Wissensmanagement ist wie eine gut ausgestattete Vorratskammer: Wissensträger*innen liefern ihr Wissen, ein gemeinsames Ordnungssystem und Metadaten machen es auffindbar.
Betreibt Interautomation mit der Dokumentationserstellung in Confluence nun also Wissensmanagement? In unseren Augen lässt sich diese Frage klar mit Ja beantworten. Mehrere Wissensträger*innen können ihr Know-how einbringen und die Wissensplattform erweitern. Alle Mitarbeitenden können Inhalte erstellen und bearbeiten. Die Verknüpfung mit Jira macht Ticketanfragen und Antworten auf passenden Informationsseiten sichtbar. So wächst der Wissensvorrat, und Unklarheiten werden nachvollziehbar. Durch Verschlagwortung, einheitliche Terminologie und die getrennte Steuerung interner und externer Inhalte finden Suchende schnell relevante Informationen. Aus einer schwer nutzbaren Word-Dokumentation wurde eine flexibel nutzbare Lösung mit Webzugriff. Matthias Baumann beschreibt sie als Wandel vom „Einzelkämpferprojekt“ zum „Kollaborationsprojekt“. Gerade die Technische Dokumentation eignet sich als Initialzünder für Wissensmanagement: Sie verschriftlicht Expertenwissen, bereitet es verständlich auf und macht es zugänglich.
Natürlich kommt jede Systemlösung irgendwann an ihre Grenzen. Auch auf unserer Wanderroute gab es Stolpersteine. So ist es nicht immer leicht, einen möglichst barrierefreien Zugang zu Informationen mit dem Schutz sensibler Daten zu verbinden. Auch mussten wir Bachläufe überspringen, wenn Inhalte sowohl in der Hochkant-PDF-Ausgabe als auch in der Online-Hilfe für Querformat-Bildschirme gut aussehen sollten. Confluence eignet sich zudem nicht für alle Dokumentationsanforderungen; seine Praxistauglichkeit hängt vom jeweiligen Komplexitätsgrad ab. Für die Dokumentation von InLineWeb hat sich die Lösung jedoch bewährt.
Der Aufbau einer Wissensmanagementplattform ist nie abgeschlossen: Wissen wächst stetig, die Plattform muss mitwachsen. Für Interautomation heißt das, weitere Softwarefunktionen zu beschreiben, den Redaktionsleitfaden weiterzuentwickeln und das System an neue Anforderungen anzupassen – etwa durch bessere Übersetzungssteuerung oder Versionsverwaltung. Nach der einen Tour ist vor der nächsten. Jetzt heißt es erst einmal: ankommen und die Aussicht genießen.

"Es wurde eine Arbeitsumgebung geschaffen, mit der wir eigenständig weiterarbeiten können. Während des Projekts war die ergebnisoffene Interaktion mit kothes sehr wichtig: Dass unsere eigenen Vorstellungen verstanden wurden und daraus von kothes Lösungsvorschläge abgeleitet wurden, die wir wiederum bewerten und verändern konnten. So sind aus unseren zunächst vagen Vorstellungen gute Lösungen geworden. Eigentlich war alles ziemlich genau nach Wunsch, auch in der Nachbetrachtung."
Matthias Baumann
Entwicklungsleiter für die Software InLineWeb
Interautomation
Wir melden uns so schnell wie möglich bei Ihnen.

